Foursquare in Österreich: Best Practice & Worst Practice

Experten sind sich sicher: Die sozialen Netzwerke der Zukunft sind sogenannte Location Based Services (LBS). Dabei handelt es sich um mobile Dienste, die den eigenen Standort via GPS ermitteln und die Möglichkeit bieten, mit der Umgebung zu interagieren. Ergänzt um das eigene Freundes-Netzwerk und der „Teilen-Funktion“ entsteht so eine neue Form von Social Media. Foursquare ist in diesem Bereich Marktführer und mit weltweit rund 2 Mio. Usern am weitesten verbreitet – Tendenz stark steigend. Worum es bei Foursquare genau geht und wie Unternehmen die Plattform nutzen können, erfahrt ihr hier.

Foursquare

Worum geht’s bei Foursquare?

Im Prinzip kann man Foursquare als Spiel sehen, das die mobile Welt mit der „realen Welt“ verknüpft. Der Kern dieses Spiels sind sogenannte „Venues“, also Shops, Restaurants, Bars, Haltestellen, Plätze, Straßen und andere Orte, die sich in der Umgebung befinden. Hier kann man als Foursquare-Nutzer über die App auf seinem Smart Phone zum einen neue Locations entdecken und sich zum anderen in jeder Venue „einchecken“, sobald man sich in der Nähe befindet. Wenn man möchte, kann man so seinen eigenen Freunden (auf Foursquare, Twitter und Facebook) mitteilen, wo man sich gerade aufhält oder einfach nur nachsehen, wer z.B. gerade in einem bestimmten Club eingecheckt ist (sofern diejenigen eingestellt haben, dass jeder sehen kann, wo sie sich befinden). Die Nutzung ist auch ohne Smart Phone möglich (über foursquare.com/mobile), sofern das Handy zumindest über GPS und mobilen Internetzugang verfügt.

Die Gaming-Faktoren bei Foursquare

  • Punkte: Der Spielfaktor kommt bei Foursquare erstmal durch die Punkte zustande, die man für jeden Check-In und neu angelegte Locations erhält. Dazu gibt’s eine wöchentliche Rangliste der „Top-Checker“ 😉
  • Mayorships: Wer innerhalb von zwei Monaten am öftesten in einer Venue eincheckt wird dort Mayor (Bürgermeister). Diese Mayorships können natürlich von anderen Usern „gestohlen“ werden, wenn man sich nicht regelmäßig dort eincheckt.
  • Badges: Für die Erreichung bestimmter Ziele oder Check-Ins erhält man Badges als Auszeichnungen. Diesen wird auf Foursquare regelrecht nachgejagt. So bekommt man z.B. den „I’m on a boat“-Badge, wenn man sich auf einem Schiff eincheckt, den Swarm Badge, wenn man sich zusammen mit 50 anderen in einer Venue eincheckt (wie etwa bei der Swarm Night, die wir am 06.08. im Museumsquartier veranstaltet haben :-)), den Player Please Badge, wenn man mit drei Personen des anderen Geschlechts eincheckt und unzählige mehr.

Foursquare Badges

Der Empfehlungs-Faktor

Ein weiteres Feature sind die „Tipps“ und die „To Dos“, die als Empfehlung zu jeder Venue hinterlegt werden können. Diese werden angezeigt, sobald sich jemand in der Nähe der jeweiligen Venue eincheckt. So kann man etwa darauf hinweisen, dass das Schnitzel in diesem einen Lokal hervorragend ist, die Kellner mehr als freundlich sind oder, dass man unbedingt den Burger hier probieren soll.

Das Prinzip von Location Based Services mag bei vielen, die zum ersten Mal davon hören, erstmal Skepsis auslösen. „Wieso sollte ich allen meinen Freunden sagen, wo ich gerade bin?“ ist wahrscheinlich die erste Frage, zusammen mit der Angst vor „Stalkern“. Die Antwort ist eine Gegenfrage: „Wieso sollte ich allen meinen Freunden sagen, was ich gerade denke oder tue?“ – auch Facebook hatte anfänglich mit dieser Skepsis zu kämpfen. Mittlerweile ist dieser offene Umgang mit der eigenen Privatsphäre normal geworden. Und auch die Bekanntgabe des eigenen Standortes wird in nicht mehr all zu ferner Zukunft genauso normal sein, wie seinen Freunden mitzuteilen, dass man sich gerade langweilt oder gestern sturzbetrunken war. (Abgesehen davon gibt es auch die Möglichkeit in Venues einzuchecken, ohne den Ort bekannt zu geben.)

Dieses Video zeigt sehr anschaulich, wie Foursquare funktioniert:

Einige User sind bei der Nutzung von Foursquare auch richtig kreativ. In diesem Blog-Post eines Foursquare-Users ist etwa zu lesen, wie man den Dienst nutzt, um seine Fitness zu steigern. :-) Und noch eine spannende Idee kommt vom „Kino unter Sternen“, wie Richard Pyrker in seinem Blog berichtet: Kultfilm zum Einchecken. Hier wird Foursquare mit dem in Wien gedrehten Film „Before Sunrise“ verknüpft. Unbedingt mitmachen.

So viel zum Prinzip von Foursquare. Kommen wir nun zu den Einsatz-Möglichkeiten für Unternehmen.

Best Practice

Starbucks Foursquare SpecialDas Aushängeschild unter den internationalen Best Practice Beispielen ist (wie so oft in der Social Media Welt) Starbucks, die für jeden ihrer Standorte in den USA sogenannte „Specials“ erstellt haben. Und das ist auch die beste Variante, wie Unternehmen Foursquare nutzen können. Hierzulande – denn in anderen Ländern gibt es auch „Business Accounts“, die auf der Foursquare-Startseite ganz unten mit Logo verlinkt sind und einige zusätzliche Möglichkeiten bieten. Prinzipiell kann aber erstmal jeder Inhaber einer Venue solche Specials anlegen. Die Inhalte dieser speziellen Angebote sind z.B.: der Mayor der Venue erhält bei jedem Besuch einen Gutschein, jeder der eincheckt bekommt ein gratis Getränk oder bei jedem 10. Check-In bekommt der User 10% Rabatt.

In Österreich ist die Anzahl solcher Specials bis jetzt noch recht überschaubar. Eines der ingesamt vier möchten wir hier aber besonders hervorheben:

Reisinger’s am Salzgries

Ein Lokal, das offensichtlich verstanden hat, worums auf Foursquare geht, ist das Reisinger’s am Salzgries. Das kleine aber feine Restaurant in der Wiener Innenstadt ist eines der ersten Unternehmen in Österreich, das sich näher mit den Möglichkeiten auf Foursquare und dem Thema Specials befasst hat. Nach den ersten Learnings mit einem „Mayor-Special“ (für das es wohl einfach zu früh war – Nachtrag: siehe Kommentar) hat das Reisinger’s jetzt ein Variante gefunden, die wirklich Sinn macht: Jeder, der in dem Lokal eincheckt und einen Tipp abgibt erhält ein gratis Getränk (und wird, laut einem bereits hinzugefügten Tipp, sogar vom Chef persönlich begrüßt). Das heißt, wer in der Nähe eincheckt erhält gleich einen Tipp von einem Freund und zusätzlich den Hinweis auf das Special mit dem gratis Getränk. Der Weg zu einer Essensbestellung ist dann natürlich nicht mehr weit.

Übrigens empfiehlt sich gleich danach ein Besuch im nahegelegenen Hollmann Salon, dort gibt es nämlich für jeden Check-In einen gratis Kaffee oder ein Glas Prosecco. :-)

Nicht ganz so sinnvoll ist das Special eines Reisebüros in Wien. Hier gibt es für einen Check-In 20 Euro Sofortrabatt bei Buchung einer Pauschalreise. Mal ehrlich: Wer entscheidet sich mal ebenso im Vorbeigehen aufgrund dieses Hinweises dafür, gleich eine Pauschalreise zu buchen? Aber zumindest ist es ein Versuch, Foursquare mit den richtigen Mitteln für das eigene Unternehmen zu nutzen.

Worst Practice

Es wäre vermessen, in diesem jungen Stadium von Foursquare von Worst Practice zu sprechen. Derzeit sind einige Unternehmen gerade erst dabei, mit diesem neuen Dienst zu experimentieren und spielen das gute alte try and error Spiel. Anders geht’s ja auch nicht. Und doch gab es gerade in den letzten Tagen einige Versuche, bei denen Foursquare auf falsche Art und gegen die Spielregeln für Produktwerbung genutzt wurde. Das Ergebnis war eine Welle der Entrüstung von aktiven Usern, die gezeigt hat, dass Spam auch auf Foursquare nicht erwünscht ist. Auf folgende „Ideen“ sollte man als Unternehmen also besser verzichten:

  • Doppelte Venues anlegen
  • Venues mit Namen wie „Produkt A in diesem Shop“ anlegen
  • Fake-Venues anlegen – also Orte und Namen, die garnicht existieren
  • Venues mit Slogans versehen wie „Unternehmen A – Wir sind die besten“

Und was haben Unternehmen generell davon, Foursquare zu nutzen? Ganz einfach: Es geht unter anderem um Empfehlungsmarketing und Kundenbindung. Jeder, der in einer Venue eincheckt „erzählt“ (im Optimalfall) allen seinen Freunden, dass er gerade hier ist. Sobald fünf Personen in einer Location eingecheckt sind, wird die Venue in der Übersicht als „Trending Now“ ganz oben angezeigt und so von jedem Foursquare-User gesehen. Eine gute Variante, um mehr Aufmerksamkeit für sein Geschäftslokal zu erzielen, neue Kunden in das eigene Geschäft zu holen und obendrein ein modernes Image zu erzeugen.

[Achtung! Es folgt: schamlose Eigenwerbung ;-)]

Natürlich macht Foursquare allein im Bereich Social Media noch keinen Marketingerfolg aus. Als Teil einer guten Social Media Strategie kann dieser Dienst aber für viele einen Mehrwert bedeuten. webfeuer hilft gerne dabei, die passende Strategie zu finden und erfolgreich umzusetzen.

[Eigenwerbung Ende]

Zukünftige Entwicklungen

Was bis jetzt noch fehlt und von den Usern auch sehr vermisst wird, sind Möglichkeiten zur Kommunikation mit den Freunden direkt auf Foursquare. Es gibt zwar die „Shout“-Funktion, damit wird aber leidiglich eine Nachricht an alle Freunde geschickt. Funktionen, wie Direktnachrichten oder vielleicht sogar Kommentare auf Check-Ins werden wahrscheinlich die nächsten Ergänzungungen auf Foursquare sein.  Derzeit gibt es laut Mashable aber auch Kooperations-Gespräche zwischen Facebook und Foursquare, während Facebook bereits auch vor einiger Zeit verkündet hat, kurz vor dem Kauf eines ortsbezogenen Dienstes zu stehen. Einen ersten Versuch ein mobiles Game mit Foursquare zu verknüpfen, ist das Spiel Mayor War. Solche Games werden in Zukunft vielleicht sogar die populären Social Games, wie „Farm Ville“ ablösen. Was derzeit sonst noch um Foursquare herum passiert, zeigt dieser Blog-Post: „Top 20 Foursquare-Apps That Show How It Could Become A Platform“.

Wie auch immer die Zukunft von Social Media aussehen wird, sicher ist, dass Location Based Services vor allem aufgrund der rasanten Verbreitung von Smart Phones eine große und sehr relevante Rolle darin spielen werden.

Andere Best Practice Beispiele, weitere Foursquare-Specials in Österreich, allgemeine Gedanken zum Thema, Feedback, Kritik oder Lob – ist alles herzlich Willkommen und kann gerne im Kommentarbereich hinterlassen werden. :-)

Weiterführende Links

>> Foursquare für iPhone
>> Foursquare für Android
>> Foursquare für BlackBerry
>> Foursquare Website
>> Foursquare-Badges Übersicht
>> Foursquare und Before Sunrise


Facebook Kommentare:

22 Kommentare zu „Foursquare in Österreich: Best Practice & Worst Practice“

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